Technik

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Wie motorisiert man einen BVG- Bus vom Typ D 2 U? ODER:
Der zweifache Dolchstoß ins Herz des Wiking-Sammlers


Die urigen Doppeldeckerbusse vom Typ Büssing- D 2 U mit separater Fahrerkabine und Knüppelschaltung
prägten das Gesicht Westberlinsüber drei Jahrzehnte.

Die letzten Exemplare verkehrten noch zu Beginn der achtziger Jahre, lassen sich also selbst vom ängstlich auf
"Epochenreinheit"
bedachten Zwangsneurotiker besten Gewissens noch in der
"Epoche 4" einsetzen.

Sie sind für Berlin ebenso typisch wie die berühmten alten Doppelstockbusse für London.

Deshalb findet man ihre Nachbildungen noch heute in
Souvenir- Shops,
obgleich sie das Straßenbild längst nur noch im Rahmen von Museumsfahrten bereichern.

Von Wiking existieren mehrere Varianten des D 2 U, die heute allesamt nicht mehr im Programm sind.

Für die Exemplare mit offenem Einstieg
(mit solchen Bussen bin ich noch zur Schule gefahren!)
legt man ohne weiteres 80 und mehr DM auf den Tisch.


Doch keine Bange -

für die Motorisierung eignet sich die geschlossene Bauform weitaus besser.
Solche Busse, beispielsweise mit der Reklamebeschriftung
"Beru-Zündkerzen"
bekommt man schon im 20 - DM - Bereich, zahlt also im Endeffekt weniger als für manch ein Supermodell heutigen Standards.

Die eigentliche Hemmschwelle liegt ganz woanders,
nämlich beim Spender des Fahrgestells samt Motor.

Dies ist nämlich der Faller- Bus Nr. 1612
("Mercedes- Benz Touring" auf Wiking- Basis),
der satte 139.- DM kostet.

Die Aussicht, am Chassis Sägearbeiten ausführen zu müssen, wirkt unter diesen Umständen nicht eben motivierend.
Andererseits besitzt dieses Modell nicht nur den exakt richtigen Achsstand, sondern auch die richtige Reifengröße.

Es "schreit" sozusagen nach der Doppeldecker- Karosserie!

Bessere Voraussetzungen kann man sich in der Bäscherszene eigentlich nicht wünschen, und sie wiegen unter dem
Strich alle ängstlichen Bedenken auf!


Basierend auf den Erfahrungen, die das Modellbahnzentrum Tegel- Süd mit einem früheren, nach manchen
Fehlschlägen schließlich doch noch erfolgreichen Umbau machen konnte, können wir anläßlich einer weiteren Motorisierungsmaßnahme folgende vereinfachte Vorgehensweise empfehlen:



1. Schritt

Der Wiking- Doppeldecker wird vorsichtig zerlegt (Räder entfernen, mit einem SEHR, sehr feinen und schmalen Schraubenzieher vorsichtig das Gehäuse vom Chassis trennen).


2. Schritt


Mit der Bohrzwerg- Kreissäge vorsichtig schmale Streifen von den Schutzblechen des Chassis abschneiden (diesen Arbeitsgang stelle man sich vor wie das Abschneiden einer Scheibe Wurst!) und in die Radausschnitte des Doppeldecker- Gehäuses kleben.

Je schmaler der Schnitt und je fester die Klebung, desto besser!


Vorsicht:

Keinen Klebstoff nach außen dringen lassen, nicht die eingesetzten Fenster verkleben! Außerdem fliegen solche schmalen
Teile mit Vorliebe auf Nimmerwiedersehen durch die Wohnung, also mit Bedacht und ruhiger Hand arbeiten!
Es empfiehlt sich, Stück für Stück vorzugehen, also niemals mehr als ein Teil gleichzeitig zu bearbeiten!

Übrigens lassen sich die Streifen auch noch nach dem Einkleben in die Radausschnitte weiter
verschmälern (Punkt 7), müssen also nicht "hauchdünn" abgeschnitten werden.


3. Schritt


Der Faller- Wiking- Bus wird ebenso vorsichtig wie der Doppeldecker und mit demselben Werkzeug zerlegt.


4. Schritt


Eine erste Paßprobe zeigt, daß das Faller- Chassis hinten um ca. 5 mm gekürzt werden muß. Dazu benutzt man wiederum die Kreissäge.


Vorsicht

Die Verkabelung der Akkus ist außerordentlich empfindlich!
Niemals das geöffnete Fahrzeug so drehen, daß die Akkus frei "baumeln" können!
Nicht in die Drähte schneiden!


5. Schritt


Nun zum einzigen wirklich kniffligen Teil der Arbeit!

Eine zweite Paßprobe zeigt, daß das Faller- Chassis hinten leicht angeschrägt werden muß
(passend zum Doppeldecker- Gehäuse).

Beim Einsatz der Kreissäge ist hier allergrößte (!) Vorsicht geboten,
denn man schneidet haarscharf an der Ladebuchse und am Ein- Aus- Schalter entlang.

Sollte sich letzterer selbständig machen
(und er WIRD es tun!),
besteht kein Grund zur Hysterie - man klebt ihn einfach vorsichtig wieder an die alte Stelle.

Ebenso vorsichtig werden die Sägeschnitte entgratet.


6. Schritt


Nun verschmälert man die drei Seiten der Frontpartie ab Vorderrad um eine winzige Idee.
Als Werkzeug bietet sich die Feile an, wobei ruckartige Bewegungen im Interesse der Verkabelung zu vermeiden sind.
Nützlich ist dem Ungeduldigen hier wiederum die Kreissäge.

Vorsicht!

Nicht in die Gummireifen sägen!


7. Schritt


Hat man vorsichtig und sorgfältig gerabeitet, sollte sich das Doppeldecker- Gehäuse nunmehr vorsichtig aufsetzen lassen. Schwierigkeiten machen dabei gern die eingangs erwähnten Schutzbleche.
Diese sollten mit den Innenseiten des Gehäuses möglichst bündig abschließen -
also eventuell mit dem Skalpell nachhelfen!

(Notfalls zuvor die Verklebung noch einmal stabilisieren!)

Das Gehäuse dürfte kaum als
"Rastverbindung" halten,
sondern sollte zusätzlich etwas verklebt werden.

Auf geraden Sitz achten! Vorsicht:

Man sollte den Bus wegen der sensiblen Akkuverkabelung spätestens jetzt nicht mehr drehen!
Um den Einschalter zu betätigen, hebt man das Fahrzeug an und beläßt es in seiner waagerechten Position; die Räder
zeigen also immer nach unten.


Nunmehr ist der Umbau abgeschlossen.

Wer Lust hat, einen weiteren Wiking- Frevel zu begehen, kann mit einigen wenigen Bohrzwerg- Korrekturen das ursprüngliche Doppeldecker- Chassis an das Gehäuse des Faller- "Touring" - Busses anpassen, das somit nicht verloren ist. Wen es dabei stört, daß die altmodischen Büssing- Radkappen nun nicht mehr "stimmen", dem ist ohnehin nicht zu helfen.

Nun weide man sich nach Herzenslust am Anblick eines richtig fahrenden Wiking- Oldtimers namens "D2U"!

Diese Erfüllung eines Kindertraums entschädigt für alle Ängste, die man beim Zerlegen des Faller- Modells
ausgestanden hat :-)



Dauer des Umbaus:
Keinesfalls länger als ein Abend.


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Diese Seite wurde mit Genehmigung vom Modell- & Eisenbahnmarkt online übernommen und veröffentlicht.

Benutzte Literatur:
  • Gammrath, Dieter: Berliner Omnibusse. Düsseldorf 1988
  • Dittmann, Holger: Murksen für Deutschland. In: Das Dauerprovisorium, Jg. 39, Tegel 1997.